Wie kann ich mit einer Realität leben, mit der ich nicht leben kann?
Schuld- und Schamgefühle als Ausweg.
In diesem Vortrag setze ich mich mit unserem Umgang mit der Realität unserer Erfahrungen auseinander. Diese sind längst schon vergangen und deswegen nicht mehr zu verändern. Das, was wir erlebten, ist geschehen.
Die Tatsache der Realität ist insbesondere bei Erlebnissen mit traumatischer Qualität für uns Menschen eine gänzliche Überforderung. Trauma bedeutet das Erleben von Ohnmacht angesichts einer Lebensbedrohung.
Nichts und niemand hilft uns. Derart schutzlos und hilflos dieser existentiellen Bedrohung ausgeliefert und preisgegeben, bleibt uns nichts, als den eigenen Tod zu erwarten. Doch dieser tritt nicht ein. Wir sind am Leben. Ein Trauma zu erleben, bedeutet demnach auch, unseren sicher geglaubten Tod zu überleben.
Die Realität „Trauma“ können wir alleine, ohne Hilfe nicht erfassen und verarbeiten.
Wenn uns nach einem traumatischen Erlebnis nicht geholfen wird, dann leben wir traumatisiert weiter. Dann bleiben Lebensbedrohung und Ohnmacht in unserem Leben allgegenwärtig.
Doch wie können wir mit einer Realität leben, mit der wir nicht leben können?
Wir können die Realität so verändern, bis sie für uns erträglich wird. Mit einer derart ver–rückten Realität können wir weiterleben. Diese Anpassung der Realität an unser jeweiliges Fassungsvermögen ist eine der wesentlichen Bewältigungsmechanismen bei traumatischen Erlebnissen.
Im Kontext „Trauma und Traumatisierung“ weisen Schuld- und Schamgefühle darauf hin, dass Menschen mit der Realität des Erlebten nicht umgehen und nicht leben können.
Ausgehend von Fallbeispielen aus meiner Praxis und meinem theoretischen Wissen veranschauliche ich, warum und auf welche Weise Schuld- und Schamgefühle lebensnotwendige Traumabewältigungsmechanismen sein können. Mein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Bedeutung von Hilfe und den entsprechend schwerwiegenden Folgen einer fehlenden Hilfe.
Über mich:
Christina Freund
(*1974, verheiratet)
Studium der Geschichte und Germanistik (Staatsexamen I)
Studium der Sozialen Arbeit
Fortbildung zur Traumapädagogik und Traumaberatung
Fortbildung zur Anliegenmethode nach Franz Ruppert
Psychosoziale Beratung, Begleitung und Betreuung von schwer(st) erkrankten Menschen in einem onkologischen Pflegedienst
Lehrtätigkeit an der KSH München zu „Traumapädagogik“ und „sexuelle Gewalt“
Seit 2010:
eigene Praxis für Traumaberatung und Selbstbegegnung im Einzel- und Gruppenkontext
Online-Vorlesung über „Trauma und Traumatisierung“
Mehr zu Christina Freund
